Moderner Sicherheitsdienst

MODERNER SICHERHEITSDIENST – AUFGABEN, QUALIFIKATIONEN UND WAS PROFESSIONELLE SICHERHEIT HEUTE AUSMACHT

⏱️ Lesedauer: ca. 12 – 15 Minuten
🎯 Schwierigkeitsgrad: Grundlagen & Praxiswissen
👥 Geeignet für: Veranstalter, Unternehmen, Kommunen, Vereine und Auftraggeber von Sicherheitsdienstleistungen

Praxisnah erklärt – verständlich aufbereitet – direkt aus dem Arbeitsalltag von Exact Security.

🕰️ Vom „Türsteher“ zum modernen Sicherheitsdienst

Schwarze Bomberjacke, groß das Wort „SECURITY“ auf dem Rücken und zwei Mitarbeiter vor dem Eingang. Dieses Bild haben noch heute viele Menschen im Kopf, wenn sie an einen Sicherheitsdienst denken. Und tatsächlich sah die Branche vor 15 oder 20 Jahren vielerorts noch deutlich anders aus. Sicherheitsdienste wurden gerade im Veranstaltungsbereich häufig auf Einlasskontrollen, Präsenz und das Eingreifen bei Auseinandersetzungen reduziert. Seitdem hat sich viel verändert.
Nicht nur das Erscheinungsbild ist professioneller geworden. Auch die Anforderungen, Qualifikationen, technischen Möglichkeiten und Einsatzbereiche haben sich deutlich weiterentwickelt. Heute arbeiten Sicherheitsmitarbeiter beispielsweise im Veranstaltungsschutz, Objekt- und Werkschutz, Revier- und Streifendienst, bei Schließdiensten, Alarminterventionen, Baustellenbewachungen, Citystreifen oder der Bewachung besonders schutzbedürftiger Einrichtungen und Objekte. Gleichzeitig wird klassische personelle Bewachung zunehmend durch moderne Sicherheitstechnik ergänzt – beispielsweise durch Kamerasysteme und mobile Überwachungslösungen. Der Sicherheitsmitarbeiter an der Eingangstür existiert also weiterhin. Er ist heute aber nur noch ein kleiner Ausschnitt einer wesentlich größeren Branche.

🎓 Wer darf eigentlich im Sicherheitsdienst arbeiten?

Beim Thema Qualifikation fällt sehr schnell ein Begriff: „§ 34a“ Dabei wird häufig angenommen, jeder Sicherheitsmitarbeiter müsse automatisch die sogenannte Sachkundeprüfung nach § 34a Gewerbeordnung besitzen. Ganz so einfach ist es nicht.
Grundsätzlich müssen eingesetzte Wachpersonen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und insbesondere zuverlässig sein. Für viele Bewachungstätigkeiten ist die IHK-Unterrichtung nach § 34a GewO vorgesehen. Für bestimmte, gesetzlich definierte Tätigkeiten ist darüber hinaus die erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung erforderlich. Dazu gehören beispielsweise Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum, der Schutz vor Ladendieben und bestimmte Tätigkeiten in besonders konfliktgeneigten Bereichen. Daneben gibt es anerkannte berufliche Aus- und Weiterbildungen. Die Fachkraft für Schutz und Sicherheit ist beispielsweise ein regulärer dreijähriger Ausbildungsberuf. Hinzu kommen weitere Qualifikationsmöglichkeiten wie die Servicekraft für Schutz und Sicherheit, die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft oder der Meister für Schutz und Sicherheit.

📌 Gut zu wissen

Unterrichtung, Sachkundeprüfung und Berufsausbildung sind nicht dasselbe.
Welche Qualifikation erforderlich ist, hängt unter anderem von der konkreten Bewachungstätigkeit ab. Deshalb sollte bereits bei der Einsatzplanung berücksichtigt werden, welche Aufgaben ein Mitarbeiter tatsächlich übernehmen soll.

👥 Eine bestandene Prüfung allein macht noch keinen guten Sicherheitsmitarbeiter

Gesetzliche Qualifikationen bilden eine wichtige Grundlage. Im täglichen Einsatz kommt allerdings etwas hinzu, das sich nicht allein mit einem Zertifikat abbilden lässt: Erfahrung im Umgang mit Menschen. Ein professioneller Sicherheitsmitarbeiter muss aufmerksam sein, Situationen einschätzen können und gleichzeitig angemessen kommunizieren. Zuverlässigkeit, ein gepflegtes Auftreten, Menschenkenntnis, Teamfähigkeit und ein ruhiger Umgang mit schwierigen Situationen spielen dabei eine große Rolle. Gerade Kommunikation und Deeskalation sind wichtige Bestandteile moderner Sicherheitsarbeit. Das zeigt sich sogar in den gesetzlichen Ausbildungsinhalten: Die Bewachungsverordnung nennt ausdrücklich den Umgang mit Menschen, das Verhalten in Gefahrensituationen, Deeskalationstechniken sowie interkulturelle Kompetenz als Inhalte der Unterrichtung. Bei Exact Security ergänzen wir die gesetzlich erforderlichen Qualifikationen deshalb durch weitere Schulungen und praktische Weiterbildungen. Dazu gehören je nach Einsatzbereich beispielsweise Brandschutz, Kommunikation, Deeskalation sowie praktische Trainings. Auch unterschiedliche berufliche Erfahrungen können ein Team bereichern. In unserem Unternehmen arbeiten beispielsweise Menschen mit beruflichen Hintergründen bei Polizei, Bundeswehr und anderen öffentlichen Einrichtungen gemeinsam mit langjährig erfahrenen Sicherheitsmitarbeitern. Entscheidend ist am Ende nicht nur, welchen Nachweis jemand besitzt.
Entscheidend ist auch, wie professionell dieser Mensch seine Aufgabe wahrnimmt.

💡 Praxis-Tipp

Ein guter Sicherheitsdienst beginnt bei der Auswahl der richtigen Mitarbeiter.
Nicht jeder Mitarbeiter passt automatisch zu jedem Einsatz. Ein Veranstaltungsschutz stellt andere Anforderungen als ein ruhiger Objektschutz oder eine Tätigkeit mit intensivem Besucherkontakt.

🎪 Veranstaltungsschutz beginnt nicht erst am Eingang

Besonders sichtbar ist der Sicherheitsdienst bei Veranstaltungen. Besucher sehen Mitarbeiter am Eingang, bei Taschenkontrollen oder vor Bühnen- und Veranstaltungsbereichen. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch deutlich früher.
Bei neuen oder größeren Veranstaltungen gehört deshalb häufig zunächst eine Besichtigung des Veranstaltungsortes dazu.
Dabei werden unter anderem Veranstaltungsart, erwartete Besucherzahl, Gelände, Ein- und Ausgänge und die Erfahrungen aus vergangenen Veranstaltungen betrachtet. Auch das zu erwartende Publikum kann eine Rolle spielen. Ein Konzert mit mehreren tausend Besuchern kann beispielsweise vollkommen ruhig verlaufen. Eine deutlich kleinere Veranstaltung mit starkem Alkoholkonsum kann dagegen einen wesentlich höheren Betreuungs- und Konfliktbedarf verursachen. Deshalb lässt sich der Personalbedarf eines Sicherheitsdienstes nicht seriös ausschließlich aus der Besucherzahl ableiten. Bei größeren Veranstaltungen kommen zusätzlich Sicherheitskonzepte und Abstimmungen mit den beteiligten Stellen hinzu. Vor Beginn des eigentlichen Einsatzes müssen die daraus resultierenden Aufgaben anschließend auch den eingesetzten Mitarbeitern vermittelt werden. Denn ein Sicherheitskonzept funktioniert nur dann, wenn diejenigen, die es vor Ort umsetzen sollen, ihre Aufgaben kennen.

📊 2.000 Besucher sind nicht automatisch 2.000 Besucher

Eine der häufigsten Fragen bei Veranstaltungsanfragen lautet: „Wie viele Security-Mitarbeiter brauchen wir?“ Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Zwei Veranstaltungen mit jeweils 2.000 Besuchern können vollkommen unterschiedliche Anforderungen an den Sicherheitsdienst stellen. Entscheidend können beispielsweise sein:

  • Art und Größe des Veranstaltungsgeländes
  • Anzahl und Lage von Ein- und Ausgängen
  • Veranstaltungsart und Programm
  • erwartete Besucherstruktur
  • Alkoholausschank
  • Bühnen- und Backstagebereiche
  • Notausgänge und weitere zu besetzende Positionen
  • Erfahrungen aus vergangenen Veranstaltungen
  • Anforderungen aus einem bestehenden Sicherheitskonzept

Auch die Einsatzzeiten können sich unterscheiden. Nicht jede Position wird zwangsläufig vom Veranstaltungsbeginn bis zum Veranstaltungsende in derselben Personalstärke benötigt. Eine sorgfältige Einsatzplanung betrachtet deshalb nicht nur die Anzahl der Mitarbeiter, sondern auch wann, wo und für welche Aufgabe Personal benötigt wird.

❓ Häufige Frage

„Wir brauchen einfach vier Security-Mitarbeiter. Was kostet das?“
Solche Anfragen gibt es tatsächlich regelmäßig. Bevor eine seriöse Antwort möglich ist, sollte jedoch geklärt werden, was diese vier Mitarbeiter überhaupt tun sollen. Vier Mitarbeiter können für eine bestimmte Veranstaltung ausreichend sein – für eine andere Veranstaltung mit derselben Besucherzahl jedoch deutlich zu wenig. Personalstärke ist deshalb das Ergebnis einer Einsatzplanung und sollte nicht deren Ausgangspunkt sein.

👀 Die meiste Sicherheitsarbeit sieht der Besucher überhaupt nicht

Ein gut sichtbarer Sicherheitsdienst kann Sicherheit vermitteln. Gleichzeitig findet ein erheblicher Teil der Arbeit dort statt, wo Besucher ihn kaum wahrnehmen. Bei Veranstaltungen können beispielsweise Notausgänge, Bühnenbereiche, Backstage- und VIP-Bereiche überwacht werden. Mitarbeiter führen Kontrollgänge durch, beobachten Besucherbereiche und stehen im Austausch mit Veranstaltungsleitung und anderen beteiligten Stellen. Bei entsprechenden Veranstaltungskonzepten können außerdem geeignete Kräfte eingesetzt werden, die nicht unmittelbar als Sicherheitsdienst erkennbar sind.
Hinzu kommen viele kleine Situationen, die häufig gelöst werden, bevor daraus überhaupt ein größeres Problem entsteht.

  • Eine verletzte Person benötigt Unterstützung.
  • Ein Besucher fühlt sich auf dem Weg zum Parkplatz unsicher.
  • Ein Konflikt zeichnet sich ab und kann bereits durch ein Gespräch entschärft werden.
  • Ein Notausgang wird versehentlich zugestellt und muss wieder freigehalten werden.

Viele dieser Dinge bekommt der Veranstalter selbst überhaupt nicht mit. Und genau das führt manchmal zu einem interessanten Eindruck: „Es ist doch gar nichts passiert.“ Das ist im besten Fall kein Argument gegen einen Sicherheitsdienst. Es kann vielmehr ein Zeichen dafür sein, dass viele Situationen rechtzeitig erkannt und gelöst wurden.

🏢 Sicherheitsdienst findet längst nicht nur auf Veranstaltungen statt

Veranstaltungsschutz ist lediglich ein Teil moderner Sicherheitsdienstleistungen. Ein großer Bereich ist beispielsweise der Objekt- und Werkschutz. Dabei können Gebäude, Baustellen, Industrieanlagen oder andere schutzbedürftige Bereiche überwacht werden. Hinzu kommen Revier- und Kontrollfahrten, Schließdienste sowie Alarminterventionen. Auch zeitlich begrenzte Situationen können einen erhöhten Schutzbedarf verursachen. Gefährdete Objekte können beispielsweise vorübergehend zusätzliche Präsenz benötigen. Bei Bauprojekten – etwa größeren Infrastruktur- oder Energieprojekten – können Sicherheitsmitarbeiter wiederum über längere Zeiträume vor Ort eingesetzt werden.
Moderne Technik verändert auch diese Tätigkeiten. Kamera- und Überwachungssysteme ermöglichen es, größere Bereiche zu beobachten und personelle Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll zu ergänzen. Der moderne Sicherheitsdienst besteht deshalb zunehmend aus einem Zusammenspiel von:
Personal – Organisation – Kommunikation – Erfahrung – Technik.

📌 Gut zu wissen

Technik ersetzt nicht automatisch den Sicherheitsmitarbeiter – und Personal ersetzt nicht automatisch gute Technik. Je nach Objekt und Aufgabe kann gerade die Kombination verschiedener Maßnahmen eine sinnvolle Sicherheitslösung ergeben.

🤝 Bei größeren Veranstaltungen arbeitet Sicherheit niemals allein

Je größer eine Veranstaltung wird, desto wichtiger wird die Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter. Veranstalter, Sicherheitsdienst, Ordnungsamt beziehungsweise Stadtpolizei, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und weitere Stellen können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Bei großen Veranstaltungen können gemeinsame Führungs- und Koordinierungsstrukturen eingerichtet werden, in denen relevante Informationen zusammenlaufen und Maßnahmen abgestimmt werden. Für den privaten Sicherheitsdienst bedeutet das: Er ist Teil eines größeren Systems. Mitarbeiter müssen wissen, an wen Informationen weitergegeben werden, welche Zuständigkeiten bestehen und wie bei besonderen Situationen kommuniziert wird. Exact Security erlebt diese Zusammenarbeit regelmäßig bei größeren Stadtfesten, Märkten und Veranstaltungen. Gleichzeitig zeigt sich dort ein weiterer Vorteil, wenn verschiedene Leistungen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Sicherheitsdienst, Verkehrssicherung und Zufahrtsschutz beziehungsweise Perimeterschutz haben unterschiedliche Aufgaben – an vielen Stellen beeinflussen sie sich jedoch gegenseitig. Ein Rettungsweg betrifft beispielsweise nicht nur den Sicherheitsdienst. Eine Zufahrtssperre kann Auswirkungen auf Einsatzwege haben. Besucherlenkung kann wiederum mit Verkehrsführung, Einlassbereichen und Veranstaltungsflächen zusammenhängen. Deshalb lohnt es sich, diese Bereiche bereits während der Planung gemeinsam zu betrachten.

💬 Fazit

Der Sicherheitsdienst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Das alte Bild vom „Türsteher“ beschreibt heute nur noch einen kleinen Ausschnitt einer vielfältigen Branche. Moderne Sicherheitsmitarbeiter arbeiten bei Veranstaltungen, schützen Objekte und Baustellen, führen Kontroll- und Revierdienste durch, unterstützen bei Alarmmeldungen und arbeiten zunehmend mit moderner Sicherheitstechnik. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Qualifikation, Kommunikation und professionelles Auftreten gestiegen. Doch unabhängig davon, ob ein Mitarbeiter vor einem Veranstaltungseingang, auf einem weitläufigen Gelände oder in einem schutzbedürftigen Objekt eingesetzt wird, bleibt ein Punkt gleich: Sicherheit entsteht nicht allein durch Anwesenheit. Sie entsteht durch qualifizierte Mitarbeiter, Erfahrung, Aufmerksamkeit, klare Aufgaben, funktionierende Kommunikation und eine gute Vorbereitung. Und manchmal ist erfolgreiche Sicherheitsarbeit gerade daran zu erkennen, dass Besucher und Veranstalter von all diesen Abläufen kaum etwas bemerken.

⚖️ Rechtlicher Hinweis

Dieser Fachbeitrag dient der allgemeinen Information über Aufgaben, Qualifikationen und Einsatzbereiche privater Sicherheitsdienste.
Die dargestellten Informationen ersetzen keine individuelle Sicherheitsplanung, behördliche Vorgabe, rechtliche Beratung oder ein veranstaltungsbezogenes Sicherheitskonzept. Welche Qualifikationen, Personalstärken und Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Tätigkeit, Veranstaltung, Örtlichkeit und den gesetzlichen beziehungsweise behördlichen Anforderungen ab. Insbesondere die Anforderungen nach § 34a GewO und der Bewachungsverordnung müssen für den jeweiligen konkreten Einsatz geprüft werden.

⭐ Unser Merksatz

„Gute Sicherheitsarbeit erkennt man nicht daran, wie oft eingegriffen werden musste – sondern häufig daran, wie viele Situationen gar nicht erst zum Problem wurden.“

📚 Mehr entdecken im Exact Security Magazin

Sicherheitsdienst ist nur ein Baustein moderner Sicherheits- und Veranstaltungskonzepte. Im Exact Security Magazin erklären wir regelmäßig weitere Themen aus unserer täglichen Praxis – unter anderem aus den Bereichen:

Bereits erschienen sind unter anderem unsere Fachwissen-Beiträge zu den Grundlagen der Verkehrssicherung, zur Verkehrsplanung und zur Entstehung professioneller Zufahrtsschutzkonzepte. Mit jedem neuen Beitrag bauen wir diese Wissenssammlung weiter aus und schaffen gleichzeitig Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen.

👨‍💼 Über den Autor

Dieser Fachbeitrag wurde vom Team von Exact Security erstellt und basiert auf langjähriger praktischer Erfahrung aus Sicherheitsdienst, Veranstaltungsschutz, Objektschutz und weiteren Bewachungsaufgaben. Exact Security begleitet Veranstaltungen, Unternehmen, Kommunen und weitere Auftraggeber in den Bereichen Sicherheitsdienst, Verkehrssicherung, Zufahrtsschutz, Perimeterschutz und Event-Equipment. Unser Ziel im Exact Security Magazin ist es, Fachthemen verständlich aufzubereiten, Einblicke aus der täglichen Praxis zu vermitteln und zu zeigen, wie moderne Sicherheitslösungen heute geplant und umgesetzt werden.